Im vorangegangenen Beitrag haben wir Sie dazu eingeladen, an unserem nächsten Mynd!Talk zum Thema „Zwischen Meme und Meinung: Warum Rechtspopulismus bei Gen Z ankommt“ teilzunehmen, um darauf zu blicken, wie Social Media die politische Orientierung junger Menschen beeinflussen kann und welche Rolle digitale Räume bei der Verbreitung von rechtspopulistischen Inhalten spielen. Doch Social Media prägt die Lebenswelt von Jugendlichen noch auf vielen weiteren Ebenen.
Scrollen, liken, posten, chatten: Für Jugendliche und junge Erwachsene gehören soziale Medien längst selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig wird immer intensiver darüber diskutiert, welche Auswirkungen die permanente digitale Präsenz auf Wohlbefinden, Selbstregulation und psychische Gesundheit haben kann.
Wie relevant das Thema inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen. Und sie machen deutlich: Gerade für die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen – etwa im Berufsschulkontext – lohnt sich ein genauer Blick auf den digitalen Alltag.
5 Fakten, die aktuell aufhorchen lassen

1. Jede zweite Auszubildende fühlt sich psychisch belastet.
Der aktuelle DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt: 50,6 % der befragten Auszubildenden erleben eine psychische Belastung. Befragt wurden über 13.000 junge Menschen aus den 25 am häufigsten besetzten dualen Ausbildungsberufen. Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck sowie Personalmangel zählen zu den wichtigsten Belastungsfaktoren.
2. Social Media gehört für Jugendliche selbstverständlich zum Alltag.
Im aktuellen Social-Media-Report 2026 der Techniker Krankenkasse geben 80 % der 12- bis 17-Jährigen an, dass ihnen Social Media eher gut oder sehr gut tut. Gleichzeitig ist mehr als die Hälfte (55 %) für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche – ein Hinweis darauf, dass junge Menschen durchaus auch die problematischen Seiten ihrer eigenen Nutzung wahrnehmen.
3. Viel Nutzung geht mit mehr gesundheitlichen Auffälligkeiten einher.
Der TK-Report zeigt einen Zusammenhang zwischen einer intensiveren Social-Media-Nutzung und gesundheitlichen Auffälligkeiten. Das bedeutet nicht, dass Social Media automatisch psychische Probleme verursacht. Es zeigt aber: Wie, warum und in welchem Umfang digitale Medien genutzt werden, macht einen Unterschied.
4. Die Debatte hat inzwischen auch die Politik erreicht.
2026 hat eine Expertisekommission der Bundesregierung Empfehlungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz vorgelegt. Dabei geht es nicht nur um mögliche Altersgrenzen oder Verbote, sondern ausdrücklich auch um Medienkompetenz und die Verantwortung von Erwachsenen und Plattformen.
5. Gute Rahmenbedingungen können junge Menschen nachweislich entlasten.
Der DGB-Ausbildungsreport macht gleichzeitig deutlich: Mentale Gesundheit ist nicht allein eine Frage individueller Bewältigung. Verlässliche Betreuung, gute Ausbildungsbedingungen und erreichbare Ansprechpersonen spielen eine wichtige Rolle. Damit wird deutlich, dass Prävention immer auch die Lebens- und Lernbedingungen junger Menschen in den Blick nehmen muss.
Was bedeutet das für die Arbeit mit Jugendlichen?
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Social Media ist kein Randthema der Jugend, sondern Teil ihrer Lebenswelt. Jugendliche informieren sich, kommunizieren, unterhalten sich, vergleichen sich mit anderen und entwickeln Vorstellungen davon, wer sie sind und wie sie sein möchten und vieles davon findet heute auch digital statt.
Für Berufsschulen und andere pädagogische Settings stellt sich deshalb nicht nur die Frage, wie viel Zeit junge Menschen am Smartphone verbringen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Bedürfnisse hinter der Nutzung stehen: Geht es um Austausch, Unterhaltung, Zugehörigkeit, Anerkennung, Ablenkung oder den Umgang mit Stress und Langeweile?
Genau hier wird ein kompetenzorientierter Ansatz wichtig. Junge Menschen brauchen nicht nur Regeln und Informationen, sondern Fähigkeiten, die ihnen helfen, ihre eigene Mediennutzung wahrzunehmen, kritisch zu reflektieren und selbstbestimmt zu gestalten.
Das gilt umso mehr, wenn Social Media mit anderen Herausforderungen zusammentrifft. Gerade Auszubildende erleben Leistungs- und Zeitdruck, finanzielle Sorgen oder Unsicherheiten hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft. Digitale Medien können dann sowohl Ressource als auch Bewältigungsstrategie sein – und gleichzeitig das Risiko bergen, dass aus einer hilfreichen Auszeit ein automatisiertes Nutzungsmuster wird.
Von der Mediennutzung zur Suchtkompetenz
Für uns bei You!Mynd bedeutet Prävention deshalb: Wir wollen junge Menschen nicht einfach dazu auffordern, ihr Smartphone weniger zu benutzen. Vielmehr möchten wir sie darin stärken, ihre eigene Nutzung zu verstehen und bewusst zu steuern.
Aus diesem Grund haben wir in den vergangenen Monaten ein neues Suchtkompetenz-Modul entwickelt. Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle digitale Herausforderungen – von Smartphone und Social Media bis hin zu Gaming – und die Frage, wie ein gesunder und selbstbestimmter Umgang damit gelingen kann. Dabei setzen wir bewusst nicht auf ein klassisches „Belehrungsmodul“, sondern auf modernes Kompetenztraining, das an der Lebenswelt junger Menschen ansetzt.
Wie das neue Modul konkret aussieht, welche Themen und Methoden darin stecken und warum wir den Schwerpunkt auf Suchtkompetenz in der digitalen Lebenswelt legen, zeigen wir in unserem nächsten Beitrag.
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